Out of Office. Büro-Kunst oder das Büro im Museum

Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt
Sonntag, 2. April bis Sonntag, 10. September 2017


 

Das Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt zeigt ab Sonntag, 2. April 2017 die Ausstellung „Out of Office. Büro-Kunst oder das Büro im Museum“. Die Ausstellung präsentiert Werke und Installationen der Konkreten und Konzeptuellen Kunst, die das Büro als Sinnbild der modernen Gesellschaft und ihrer rganisationsprinzipien thematisieren. Die Objektkünstlerin Tina Haase realisiert dabei eine temporäre Wandarbeit für das MKK.

 

Das Büro und die Konkrete Kunst

Künstlerinnen und Künstler aus dem Umfeld der Konkreten und Konzeptuellen Kunst interessieren sich für das Büro als Sinnbild für Regulierung, Ordnung, Verwaltung und Bürokratie, auch für Herrschaft und Machtausübung. Hier werden verwaltungstechnische Regeln definiert, festgehalten, umgesetzt. Bürokratische Aufgaben sind durch eine rigorose Regelbefolgung gekennzeichnet, wie sie sonst nur mathematische Operationen und religiöse Rituale kennen.

 

Die Ausstellung

Die Ausstellung ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Ein großes Kapitel widmet sich den Büromaterialien. Es beginnt mit den frühen Arbeiten von Peter Roehr aus den 1960er Jahren, der Etiketten oder Lochkarten seriell nebeneinander auf Karton montierte. In einem weiteren Kapitel werden die Tätigkeiten im Büro ins Zentrum gestellt: Erfassen, Registrieren, Verwalten und Ordnen. Hier zeigt die Ausstellung klassische Positionen der Konkreten Kunst wie auch dazu angrenzende Arbeiten von Fiene Scharp oder Max Cole, die mit erstaunlicher Akribie und Ausdauer monotone Wiederholungen von Strichen ausführen. In den Momenten der Repetition und der Monotonie treffen sich hier künstlerische Praxis und Büroalltag. Im letzten Kapitel geht es um den Ort „Büro“ mit seiner spezifischen Architektur ebenso wie um die Angestellten und ihren Bürohabitus.

 

Das Büro als Spiegelbild unserer Zeit

Das Büro ist ein zentraler Ort des modernen Lebens. Durch die Digitalisierung erlebt es einen tiefgreifenden Strukturwandel: Kein Arbeitsplatz mehr ohne Computer oder ohne virtuelle Ablage. Andere Dinge verschwinden gleichzeitig: Papier, Locher, Büroklammern, Ordner, Hängeregister…

Dank der neuen Technologien ist immer weniger Platz für das Management von großen Institutionen und Unternehmen notwendig. Die gläserne und vermeintlich transparente Büroarchitektur der Gegenwart scheint ein Spiegelbild dieser Veränderungen zu sein und verbirgt doch den gleichen behäbigen Verwaltungsapparat, wie er sich seit der Aufklärung herausgebildet hat.

 

Künstlerschwerpunkte

Ignacio Uriarte versteht sich selbst als Bürokünstler. Lange Zeit hat er als Angestellter in großen Konzernen gearbeitet und beschäftigt sich seit 2003 mit der Struktur des Büros in all seinen Ausformungen: mit den Abläufen, dem Ort und den spezifischen Materialien.

Der Schweizer Künstler Beat Zoderer hat schon immer ein ausgeprägtes Interesse für Bürobedarf wie Büroklammern, Ordner und Ablagesysteme. Er versteht sich als Konkreter Künstler, der die Ordnungsprinzipien im Alltag untersucht und hinterfragt.

Eine temporäre Wandarbeit gestaltet die Bildhauerin und Objektkünstlerin Tina Haase für das Museum für Konkrete Kunst. Entstehen wird eine Assemblage aus Artikeln des Büroalltags. Die Besucher werden Gegenstände an der Wand begegnen, die sie sonst nur singulär von ihrem Schreibtisch kennen. Tina Haase verwendet solche in Ansammlung und Verbindung und schafft derart eine ganz eigene Büro-Ästhetik.